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Der Kutterkapitän

Eigentlich ist Klaas Peters schon längst im Ruhestand. Doch sein Kutter und die Krabbenfischerei lassen ihn nicht los. Seit 55 Jahren ist er mehr auf See als an Land. Auch wenn er nicht rausfährt, arbeitet er im Alten Hafen in Hooksiel auf und an Aggi, seinem rund 16 Meter langen Kutter mit Fischereikennzeichen HOO52, den er seit 1974 besitzt. Lange war er mit ihm und seinen Vorgängern heimischen Fischschwärmen auf der Spur – Seezungen, Steinbutt, Schollen.
 
Anfang der 1990er-Jahre allerdings begann sich der Fischfang nicht mehr zu lohnen. Klaas Peters stieg um auf den Fang von Nordseegarnelen, den beliebten Krabben. „Ich könnte im Büro nicht leben“, sagt er bis heute und würde sich jederzeit wieder für seinen Beruf entscheiden. „Doch man muss Spaß daran haben.“  
Allein die Arbeitszeiten sind nicht die bequemsten: Während seiner hauptberuflichen Zeit als selbstständiger Fischer ging es mit Besatzung bei jedem Wetter fünf Tage die Woche raus aufs Meer. Mal ins Jadegebiet, mal nach Mellum oder Wangerooge, mal in Richtung der Leuchttürme Alte Weser und Tegeler Plate. Und zwar nicht mal eben kurz, sondern für jeweils 15 Stunden – meist von 17 Uhr nachmittags bis 8 Uhr morgens. Inzwischen betreibt Klaas Peters die Krabbenfischerei nur noch als Hobby im Nebenerwerb und kann sich die besten Witterungsbedingungen aussuchen. Aber am Ablauf hat sich nichts geändert: Im Zielgebiet schleppt das Schiff die Netze an den breiten Auslegern, den sogenannten Baumkurren, zwei bis drei Meilen über den Grund.  
Der Granat, wie man die Nordseegarnele ebenfalls nennt, wird dabei hochgescheucht, geht in die Netze und wird anschließend direkt an Bord sortiert und gekocht. „Die Krabbe muss schnell verarbeitet werden“, erklärt Klaas Peters. „Sobald sie tot ist, kann man sie nicht mehr verwerten.“ Wie ergiebig ein Fang wird, entscheiden verschiedene Faktoren. Erfahrungen zu den besten Fanggebieten oder zum Verhalten der Krabbe sind das A und O.
 
„Der Fang hängt zum Beispiel davon ab, wie das Wasser aussieht“, berichtet er. „Denn Krabben sind schlau. Bei klarem Wasser, meist im Mai und Juni, erkennen sie die Netze und springen über den Kurrschlitten hinweg.“ Pech für den Krabbenfischer, denn an dem  8 Meter breiten Gerät hängen die 10 Meter langen Netze.
Landet eine Krabbe jedoch erstmal im Netz, hat sie nur noch eine Chance, dem Kochtopf zu entgehen: Sie flutscht durch das Sieb der Sortiermaschine und wird sofort wieder ins Meer geworfen. Für Klaas Peters ist dies ein selbstverständlicher Beitrag zur Sicherung der Bestände. Auch was an Fischen ins Netz geht, landet lebendig wieder in der Nordsee. Krabben in der richtigen Größe, insgesamt meist so um die 25 Kilo, kommen in den Kochtopf und nach dem Abkühlen in den bordeigenen Kühlschrank. Zurück an Land verkauft Klaas Peters den größten Teil an einen Großhändler in Greetsiel. Was er behält, geht an seine Stammkunden und in den Direktverkauf am Außenhafen. Und nach jeder Ausfahrt kehrt er an seinen angestammten Liegeplatz im Alten Hafen zurück. Zum Aufräumen, Putzen und Vorbereiten. Denn der nächste Krabbenfischzug ruft schon bald.