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Der Geschichtenerzähler

Wenn einer alles über das Wangerland weiß, dann er. Wieland Rosenboom kann zu jedem Stichwort eine Geschichte erzählen. Mindestens eine. Und meist ergibt sich aus einer Geschichte gleich die nächste. „Ich lese nicht viel, ich höre“, meint er. Von Kindheit an lauschte er Geschichten und Berichten „der Alten“. „Heute“, sagt er, „lässt das Erzählen nach.“ Also übernimmt er diesen Part. Er berichtet darüber, wie der Tourismus und die ersten Badeanstalten von Wangerooge ans Festland kamen. Oder darüber, wie wangerländische Traditionen überlebten. Oder vom Entwässerungssystem des Wangerlands.

Wieland Rosenboom liebt die Nordsee, die flache Landschaft, die Tiefs und die Siele. „Als Kind hätte ich mir gut vorstellen können, Sielwärter zu werden“, erzählt er. Es hätte ihm gefallen, Tag und Nacht darauf zu achten, dass das Siel richtig arbeitet, sich nichts in dem für die Entwässerung und den Schutz des Binnenlands so wichtigen Tor verkeilt und dadurch die Flut ihren Weg ins Land findet. Ganze Sielwärterfamilien waren in früheren Zeiten damit beschäftigt, mit Kind und Kegel. Doch das ist eine andere Geschichte – und Sielwärter gibt es nicht mehr, seit die Siele automatisiert wurden und aus zwei Kilometern Entfernung betreut werden. Ein Teil dieser Sehnsucht ist ihm geblieben, denn sein Lieblingsplatz ist das Sielbauwerk in Horumersiel. „Morgens bei Sonnenaufgang, am besten bei auflaufendem Wasser, dann lebt das Watt“, beschreibt er seinen Lieblingsplatz.

Wieland Rosenboom ist dennoch ein Kümmerer ums Wangerland geworden. Der Tischlergeselle sorgt gemeinsam mit seinen Kollegen bei der Gemeinde Wangerland dafür, dass im öffentlichen Raum alles intakt ist und funktioniert. Nach Feierabend jedoch widmet er sich der Traditionspflege, tritt als Sänger und Moderator auf. Unter anderem im Shanty-Chor „Likedeeler“ und im Plattdeutschen Theater. Er ist Fördermitglied und Ortsvertreter der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) sowie erster Vorsitzender der Historischen Seenotrettung Horumersiel, eines gemeinnützigen Vereins, den er mitgegründet hat. Die Sammlung und Bewahrung historischer Gegenstände der Seenotrettung ist sein besonderes Steckenpferd. „Hier kamen die richtigen Menschen zum richtigen Zeitpunkt zusammen“, erzählt Wieland Rosenboom. Seit 1997 restaurierten diese zunächst einen historischen Wagen für Boote der DGzRS und anschließend das 1906 gebaute Ruderrettungsboot August Grassow.

„Wir möchten die Geschichte der Seenotrettung sichtbar, erlebbar und begreifbar machen“, erläutert er die Motivation der Mitglieder des 2005 gegründeten Vereins. Und das nicht nur durch die handwerklichen Arbeiten und im Rahmen der kleinen Ausstellung im Stationsgebäude der DGzRS am Hafen Horumersiel, sondern auch ganz anschaulich. Zum Beispiel bei der Tour mit Wagen, Boot und Pferdegespann durch Salzwiesen oder rudernd in historischem Outfit und mit handgenähten Korkwesten an Bord der inzwischen wieder seetüchtigen August Grassow auf der Jade. „2013 waren wir drei Wochen auf der Jade“, berichtet Wieland Rosenboom. Wieder, um Geschichte lebendig werden zu lassen – auf Fotos für die Jubiläumsbroschüre der DGzRS, die 2015 ihr 150-jähriges Bestehen feierte.