Das Ferienland Wangerland, mit dem Nordseeheilbad
Horumersiel-Schillig und den Küstenbadeorten
Hooksiel und Minsen-Förrien sowie dem Erholungsort
Hohenkirchen, gehört zu den führenden Urlaubs-
Regionen an der Nordsee

Wahrzeichen mit wechselvoller Geschichte

 

(Foto: spektrum nord)
 
Fast jeder Ort hat sein Wahrzeichen. In Hohenkirchen ist das nicht anders. Hier im Zentrum der Gemeinde Wangerland ragt ein markanter Turm auf – erbaut mit massivem Bockhorner Klinker und zu dem Zweck, die Menschen in den zehn umliegenden Dörfern und zahlreiche Höhe mit Frischwasser zu versorgen. Seit seiner Inbetriebnahme 1934 hat der Wasserturm zwar nichts von seiner Ausstrahlung verloren, seine einstige Funktion aber schon Jahrzehnte durch modernere Wasserwerke eingebüßt. Heute steht das Wahrzeichen zum Verkauf. Da die derzeitigen Besitzer, eine Erbengemeinschaft aus vier Schwestern, nur selten vor Ort sind und kein schlüssiges Nachfolgekonzept für den Wasserturm finden, soll er veräußert werden. 
 
Wer sich dem Turm in diesen Tagen nähert, ahnt nicht, welchen Stellenwert das Bauwerk einst hatte. Während seiner Entstehung verhalf das Prestigeprojekt der Nationalsozialisten hunderten Arbeitern zu Lohn und Brot. In weniger als einem halben Jahr zogen sie den Klinkerbau nach Plänen des bekannten Bauherrn Fritz Höger hoch. Auf einer Fläche von neun mal neun Metern wuchs das Wahrzeichen bis zu seiner Eröffnung am 6. August 1934 rasch 30 Meter in die Höhe. Im Innenraum, der auf drei Etagen unterteilt ist, stand der Speicher, der bis zu 180 Kubikmeter Wasser aufnehmen konnte. Die Reichsregierung, die mit der Errichtung gleich zwei Probleme lösen wollte, die schwierige Trinkwasserversorgung im nördlichen Wangerland und die hohe Arbeitslosigkeit, bezeichnete den Turm denn auch als „Mahnmal für unser Volk am Meer“. Ursprünglich sollte an großen Festtagen auf der Plattform ein weithin sichtbares Feuer erzündet werden.
 
In den schwierigen Nachkriegsjahren diente das Hohenkirchener Wahrzeichen, das sich unter anderem im Wappen des örtlichen Sportvereins wiederfindet, dann weit alltäglicheren Dingen. Im Erdgeschoss fand für einige Zeit der Turnunterricht für Schüler statt, und auf der Aussichtsplattform auf dem Dach lernten Generationen von Hohenkirchenern Heimatkunde. 146 Stufen aus Holz und Beton sind es bis zur schweren Dachluke. Von hier oben lässt sich ein freier Blick auf die umliegende Felderlandschaft genießen. Die Insel Wangerooge liegt nur einen Katzensprung entfernt in nördlicher Richtung und erinnert eindrucksvoll daran, wie nah die Nordsee ist.
 
Durch das immer weiter verzweigte Rohrnetz verlor der Wasserturm im Laufe der Jahre zumindest wirtschaftlich stetig an Bedeutung. In den 1970er-Jahren wurde er still gelegt und das 1400 Quadratmeter große Areal in Landeswarfen drohte in Vergessenheit zu geraten. Der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband als Eigentümer hatte keine Verwendung mehr für den Turm und bot ihn schließlich zum Verkauf an. Am 11. Februar 1982 ging das Grundstück samt Bauwerk in Besitz von Franz Tuhy über, einem seinerzeit bekannten Bildjournalisten in Hohenkirchen. Tuhy stellte darin Fotos aus, bis er 1992 verstarb. Seine Frau vermietete den Turm Mitte der 1990er Jahre dann an einen Motorradclub, der sich sein Vereinsheim im Erdgeschoss einrichtete. Nach dem Tod ihrer Mutter erbten vier Tuhy-Töchter das Bauwerk und fragen sich seither, was sie mit dem denkmalgeschützten Gebäude anfangen können.
 
„Wir würden uns freuen, wenn der Turm wieder mit Leben gefüllt wird“, sagt Edith Tuhy und ihre Schwester Birgitt Häge ergänzt: „Wir wissen überhaupt nichts mit ihm anzufangen.“ Ein paar Interessenten haben sie schon auf den Turm geführt. Einige sprachen davon, ein Café einrichten zu wollen. Andere würden gerne Ferienwohnungen ausbauen. Zu ernsthaften Vertragsverhandlungen ist es aber bislang noch nicht gekommen.