Das Ferienland Wangerland, mit dem Nordseeheilbad
Horumersiel-Schillig und den Küstenbadeorten
Hooksiel und Minsen-Förrien sowie dem Erholungsort
Hohenkirchen, gehört zu den führenden Urlaubs-
Regionen an der Nordsee

Kleines Bad mit großem Flair

             (Foto: spektrum nord)

 

Das Thermometer zeigt Temperaturen jenseits der 30-Grad-Marke. Es ist ein heißer Tag im Wangerland. Wer Abkühlung sucht, bekommt sie natürlich am Strand. Aber was tun, wenn mal wieder Ebbe ist?

In dem kleinen Ort Tettens, rund zehn Kilometer von der Küste entfernt, kennen sie die Antwort darauf. Seit über 50 Jahren gibt es hier ein kleines Schwimmbad. Es ist das einzige im gesamten Wangerland. Ca. 150 Meter neben einer stillgelegten Bahntrasse liegt das kleine Becken inmitten einer idyllischen Gartenanlage – und der Eintritt ist frei. 

Familie Peters aus Bohmte macht seit elf Jahren Urlaub in Friederikensiel. Vom Freibad haben sie über ihre Vermieter erfahren. „Hier gibt es zwar keinen 3-Meter-Turm“, sagt Papa Reinhold, „aber wir mögen die gemütliche Atmosphäre“. Während er erzählt, springt sein zwölfjähriger Sohn Christoph mit einem lauten Platsch ins kühle Nass. „Hier ist jedes Jahr etwas anders“, fährt Reinhold Peters fort. Er und seine Familie verfolgen die Entwicklung über die Internetseite des Freibades.

Hinter den Änderungen vor Ort und dem Auftritt im WorldWideWeb stehen die Mitglieder des Fördervereins. 333 (Stand 2010) haben sich unter der Führung von Jürgen Schmidt zusammengeschlossen, um den Erhalt des früheren Lehrschwimmbeckens zu sichern. Seit 2001 kümmern sie sich ehrenamtlich um die Wartung und Pflege der ehemaligen Schulanlage. 

„Bevor der erste Gast kommt, haben wir bereits 400 Arbeitsstunden geleistet, um das Bad Sommerfest zu machen“, erklärt dazu Jürgen Schmidt vom Förderverein. „Während der Saison kommen dann noch mal 600 dazu“, so der Vereinsvorsitzende. Zum harten Kern der Helfer gehören rund 25 Männer und Frauen. Gemeinsam holen sie zu nach den Wintermonaten die Spielgeräte raus, jäten Unkraut in den Beeten und prüfen nach den Frosttagen alle Leitungen. Zum festen Programm des Aufbaus gehört auch, dass das 33 Meter lange und zehn Meter breite Becken frisch gestrichen wird, bevor das Wasser wieder zurückgepumpt wird.

Während der Öffnungszeiten bewirtschaften die Vereinsmitglieder dann einen kleinen Kiosk am Rande einer Terrasse. Die Gelder aus dem Verkauf zählen neben den Mitgliedsbeiträgen und Spenden zu den einzigen Einnahmemöglichkeiten. Sie reichen jedoch nicht, um die Kosten für Chlor, Bademeister und größere Reparaturen zu decken. In solchen Fällen hilft die Gemeinde, die das Bad wiederum ohne das Engagement des Fördervereins nicht halten könnte.

Die Tettenser sind dankbar, dass ihr Bad entgegen der ursprünglichen Pläne, nicht geschlossen wurde. Die Identifikation mit ihrem Freibad ist groß. Viele kommen in ihrer Freizeit hierher, und drehen gemütlich ihre Runden. Auf dem Rasenstück neben dem Becken können Kinder währenddessen auf einem kleinen Spielplatz spielen, eine Gruppe Rentner hält sich dagegen lieber bei einer überdachten Sitzgruppe auf. „Christels Terrasse“ steht auf einem Schild hinter Holzstühlen, die um einen Tisch angeordnet sind. Hier treffen sich die „Wind- und Wetterschwimmer“. Christel war eine von ihnen. Es war ihr Wunsch, dass diese Terrasse errichtet wird. Nach ihrem Tod haben sie Christels Wunsch verwirklicht.

Die Saison in Tettens reicht von Mai bis Anfang September. So genau ist das nicht festgelegt; es hängt immer auch davon ab, wie das Wetter mitspielt. Zu den festen Programmpunkten zählen die beliebten Mitarbeiterfeste und die Ferienpassaktion in den Sommerferien. „Man kann nicht immer nur arbeiten, man muss hin und wieder auch feiern“, sagt Jürgen Schmidt. Zu solchen Gelegenheiten finden mitunter Ritterkämpfe im Freibad statt, werden Klettertürme aus Kisten im Wasser gebaut oder Spiele im Nichtschwimmerbecken angeboten. An diesen Tagen platzt das kleine Bad aus allen Nähten. Aber auch an einem normalen Tag, zählen sie oft um die 100 Besucher. Viel Arbeit für die Mitglieder des Fördervereins. „Im Sommer haben wir drei Monate lang sieben Tage in der Woche von 13 bis 19 Uhr geöffnet“, rechnet Schmidt vor. Urlaubsgesuche von Vereinsmitgliedern werden in dieser Zeit kategorisch abgelehnt“, ergänzt er mit einem Augenzwinkern. Allein der Kiosk muss schließlich jeden Tag von 15 bis 18 Uhr besetzt sein.

Sobald das Wetter nicht mehr mitspielt bereiten sie sich dann auf das Saisonende vor. Zu einem offiziellen Abschwimmen kommen alle noch einmal zusammen. Danach heißt es, alles zusammenzupacken und winterfest einzulagern. Der Pavillion wird abgebaut, Stühle und Bänke verstaut. Sogar die Pumpen werden abmontiert, damit sichergestellt ist, dass der Frost keinen Schaden anrichten kann. Und schon während sie in Tettens das Bad für die kalte Jahreszeit vorbereiten, freuen sie sich auf den Aufbau im kommenden Frühjahr. Es steckt viel Arbeit darin, aber sie tun es gerne.