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Das Ferienland Wangerland, mit dem Nordseeheilbad
Horumersiel-Schillig und den Küstenbadeorten
Hooksiel und Minsen-Förrien sowie dem Erholungsort
Hohenkirchen, gehört zu den führenden Urlaubs-
Regionen an der Nordsee
Auf der Suche nach Seesternen und Seehunden
(Foto: spektrum nord)
Graue Wolken hängen tief über dem Binnenland. Seit dem frühen Morgen regnet es in Strömen. Auf dem Weg zum Hafen aber bewahrheitet sich, dass die Küste ihr ganz eigenes Klima hat. Strahlend blau klafft ein erster Riss in der dichten Wolkendecke. Und es wird mit merklich heller, je näher das Wasser kommt. Die Fahrt mit der Jens Albrecht kann beginnen.
In den Spitzenzeiten der Saison legt das Schiff der Reederei Karsten Ilse gleich mehrfach täglich in Hooksiel und Horumersiel ab, um Gäste auf die See mitzunehmen. Es sind vor allem Familien wie die Ermentrauts aus der Nähe von Heidelberg, die das Leben auf, in und an der Nordsee auf diese Weise hautnah erleben wollen. „Wir wollen nicht nur einfach rausfahren. Die Kinder wollen Seehunde sehen und gucken, was alles im Meer lebt“, sagt die Mutter. Ihre beiden Söhne Ivan und Miguel stehen ganz vorne, als Kapitän Heinz Krüger das Schleppnetz einholt, das er nach einer halben Stunde Fahrt ausgeworfen hatte. Auf dem Grund gut acht Meter unter dem Kiel des Schiffes haben sie nach Meeresbewohnern gesucht.
Krüger sortiert den Fang. Kleine Fische, Krabben, Seesterne und Granat wandern in eine große Kiste voll Wasser, die er dann über eine Treppe zum Oberdeck hinaufträgt. Um ihn herum drängen sich die Kinder, viele Eltern strecken ihre Digitalkameras vor. Auf einer Bank stellt Krüger die Kiste ab. Nach und nach greift der erfahrene Seemann mit seinen dicken Handschuhen nach den Tieren und hält sie den staunenden Kinderaugen hin. Als er die fast handtellergroße Schwimmkrabbe zeigt, zucken die Kinder respektvoll zurück. Der Krebs zappelt und droht von der Hand zu hüpfen. „Die Schwimmkrabbe kann auch springen und Handstand machen“, erklärt Krüger lachend. Als er kurz darauf den Seestern zeigt, rücken die Kinderköpfe wieder näher. „Ist der süß“, sagt ein Mädchen ganz entzückt. Krüger fragt in die Runde, ob jemand wisse, wie sich der Seestern ernähre. Dass der Räuber Jagd auf Muscheln macht, um sie zu plündern, hören die meisten hier zum ersten Mal. Dennoch – sagt Krüger etwas später, als der Fang wieder zurück im Meer gelandet ist – „der Seestern ist immer das Highlight für die Kinder.“
Ein weiterer Höhepunkt sind die Seehunde, die der zweite Kapitän an Bord, Stefan Jürgens, von der Brücke aus ansteuert. Um sie zu sehen, bringt er die Jens Albrecht ins tiefere Fahrwasser der Jade. Hier liegt die Vogelschutzinsel Mellum. Auf Sandbänken davor räkeln sich die Robben. Das Schiff hat den Schutz der Insel Minsener Oog verlassen und schaukelt für einen Moment spürbar stärker. Jürgens korrigiert den Kurs. Die Wellen laufen jetzt von hinten auf die Jens Albrecht. Sofort wird die Fahrt wieder ruhiger.
Auf dem Weg zu den Seehundsbänken passiert das Schiff die Blue Wave. Seit ein paar Tagen liegt sie in der Jade vor Anker. Einige Passagiere nehmen ihre Ferngläser und betrachten die Aufbauten des Fiederschiffs (Containerschiff), das an der Steuerbordseite vorbeigleitet. Über die Lautsprecher ertönt Jürgens’ Stimme, der während der gesamten Fahrt immer wieder zu den Gästen spricht und interessante Daten und Fakten aufzählt.
Kurz darauf wechseln die meisten Familien rüber nach links, denn auf der Backbordseite rückt Mellum ins Blickfeld. Ein Schwarm Vögel verlässt kreischend eine Sandbank, die sich einige hundert Meter vor dem Eiland erstreckt. Zurück bleiben die Seehunde, die die Neuankömmlinge neugierig betrachten. Einigen von den jüngeren Tieren ist der Anblick wohl nicht geheuer, sie flüchten vorsichtshalber ins Wasser. Die Erfahrenen wissen, dass das Ausflugsschiff keine Gefahr darstellt. Zwölf Robben, zählen die Ermentrauts begeistert, liegen träge an Land. Sie haben viel Platz. Auf dem Oberdeck drängeln sich derweil die Passagiere, um ein Bild von den niedlichen Säugern zu erhaschen.
Als sich alle satt gesehen haben, dreht Stefan Jürgens wieder ab und nimmt Kurs auf Hooksiel. Ehe sie den Hafen erreichen umrundet er aber noch den Radarturm Hooksiel-Plate. Aus nächster Nähe können die Gäste das schlanke, rot-weiße Bauwerk bestaunen. Die Ermentrauts nutzen das Panorama für ein Familienfoto. Ihnen hat der zweieinhalb Stunden lange Ausflug auf der Nordsee gut gefallen. Vor ein paar Tagen haben sie sich eine Seehundaufzuchtstation besichtigt. Jetzt haben sie gesehen, wo die kleinen Heuler in freier Natur leben, nachdem sie aufgepäppelt wurden.
Während sich die Jens Albrecht langsam auf die Küste zuschiebt, wird es am Himmel wieder dunkler. Tief hängen die grauen Regenwolken ein paar Kilometer weiter über dem Festland. Hier auf See aber fällt kein Tropfen. „Das ist oft so“, sagt Jürgens, ehe er das Anlegemanöver einleitet. Sein Kollege Heinz Krüger steht schon am Bug bereit, um das über 30 Meter lange Schiff an der Kaimauer zu vertäuen. Kurz darauf gehen die Ermentrauts und die anderen Passagiere von Bord. Für einen Moment sind Heinz Krüger, Stefan Jürgens und ein Koch in der Kombüse alleine. Zeit für eine Pause bleibt dennoch nicht. Schon legt die Jens Albrecht wieder ab und teilt das Wasser auf dem Weg nach Horumersiel. Die nächste Tour und die nächsten Gäste wa
rten.