Wer durch das Wangerland fährt, sieht dutzende Energieanlagen, die sich gleichmäßig im Wind drehen und Strom erzeugen. Alleine im Windpark Bassens stehen fast 40 Anlagen in unmittelbarer Nähe des Nordseedeiches. Sie stellen den Strom für ca. 10000 Haushalte sicher. Seit dem 1. Juli 2010 wird die Öko-Energie aber nicht nur im Wangerland erzeugt, sondern auch vermarktet. Die Gemeinde ist unter die Energieversorger gegangen. Mit der friesenenergie GmbH, einer hundertprozentigen Tochtergesellschaft, verspricht sie Kunden in ganz Deutschland, den bundesweit hochwertigsten Ökostrom-Mix zu liefern. Die Resonanz in den ersten Geschäftsmonaten war so positiv, dass sich die Geschäftsführung um Gemeindekämmerer Manfred Meinen entschloss, zum 1. November 2010 neben Strom auch Gas anzubieten.
Von der Idee, Energie zu liefern, bis zum offiziellen Geschäftsstart der friesenenergie GmbH vergingen gerade einmal drei Monate. Ausgangspunkt waren Überlegungen in der Gemeindeverwaltung, in die Winderzeugung einzusteigen und ein eigenes Netz zu betreiben. „Im 2013 laufen die Konzessionsverträge mit dem regionalen Netzbetreiber EWE aus“, erklärt dazu Manfred Meinen, der sich mit der stellvertretenden Bürgermeisterin Gitta Heitmann die Geschäftsleitung bei der friesenenergie GmbH teilt. Darüberhinaus gibt es Pläne für einen Bürgerwindpark Wangerland, an dem sich die Gemeinde direkt beteiligt. Wenn man in diese Richtung geht, „macht es Sinn, diese Energie auch zu verkaufen“, so Meinen. Im März 2010 dachten er und seine Mitstreiter erstmals ernsthaft daran. Nach arbeitsintensiven Wochen war es im Juli dann soweit: Die friesenenergie GmbH betrat den Markt.
Neben dem finanziellen Anreiz, mittelfristig Geld für die klammen Gemeindekassen zu erwirtschaften, zählt für Manfred Meinen aber auch der Umweltaspekt. Er versteht die friesenenergie GmbH als deutliches Bekenntnis gegen Atomstrom und gegen die geplanten Kohlekraftwerke im nahen Wilhelmshaven. „Wir als Wangerländer leben vom Tourismus und wollen unsere gute Luft behalten“, sagt er.
60 Prozent des Stroms, den das Gemeindeunternehmen vertreibt, stammt von Windenergieanlagen in Friesland und Ostfriesland. „Die restlichen 40 Prozent bestehen aus zertifiziertem Wasserstrom“, erläutert Meinen den Energiemix, den die friesenenergie GmbH anbietet. Die drei Tarifnamen „to Huus“, „bi de Arbeid“ und „Up’t Land“ seien gezielt in plattdeutscher Sprache gewählt. „Wir identifizieren uns mit der Region und deren Menschen“, sagt der Geschäftsführer.
Geht es nach dem Willen der Gemeinde, wird sie künftig auch verstärkt eigene Windenergie erzeugen. Von den über 80 Anlagen besitzt sie gerade eine. Das soll sich ändern. Im Zuge einer geplanten Restrukturierung im Wangerland sollen viele ältere Einzelanlagen zurückgebaut und durch leistungsstärkere Modelle in wenigen neuen Windparks ersetzt werden. Zu diesem Zweck wurde im Januar 2010 die Verwaltungsgesellschaft Windenergie Wangerland mbH (VWW) ins Leben gerufen. Ihr Zweck ist es, den Bürgerwindpark Wangerland zu voranzutreiben und eines Tages vor allem zu betreiben. An dem Projekt sollen sowohl die Besitzer alter Anlagen als auch die Bürgerinnen und Bürger und die Gemeinde partizipieren. Ziel ist, die Leistung von 40 Megawatt, die derzeit von allen Windenergieanlagen im Wangerland gemeinsam produziert wird, auf 60 bis 100 Megawatt zu steigern, sagt Manfred Meinen. Die Strommenge hänge letztlich aber davon ab, wie viele neue Anlagen tatsächlich aufgestellt werden können.