Das Ferienland Wangerland, mit dem Nordseeheilbad
Horumersiel-Schillig und den Küstenbadeorten
Hooksiel und Minsen-Förrien sowie dem Erholungsort
Hohenkirchen, gehört zu den führenden Urlaubs-
Regionen an der Nordsee

Touristiker und Naturschützer wollen gemeinsam Qualitätstourismus entwickeln

Naturschützer, Vermieter und Gastronomen müssen an einem Strang ziehen. Darin sind sich der Leiter der Nationalpark Verwaltung Peter Südbeck und Nina Bölling, Projektmanagerin Weltnaturerbe Wattenmeer bei der Nordsee GmbH, einig. Nur so könne die Region die Chancen optimal nutzen, die mit der Ernennung des Wattenmeers zum Unesco Weltnaturerbe am 26. Juni 2009 einhergehen.
„Springen wir los“, forderte Peter Südbeck am Freitagabend seine Zuhörer im voll besetzten Kursaal in Horumersiel auf. „Das Wangerland ist schon unterwegs“, konterte Ralf Sinning, Leiter des Nordseehauses Wangerland. Er nutzte den Vortragsabend, um einen Ausblick auf das Programm 2010 in seinem Haus zu geben. Ab 1. April ist „die trockene Wattwanderung“ in Minsen nach der Winterpause wieder geöffnet. Dann gibt es neben Vorträgen zum Weltnaturerbe und zu den Zugvogeltagen vom 9. bis 17. Oktober eine Entdeckertour mit Quiz im Nordseehaus und am Strand, Ferienpassaktionen, Vogelexkursionen, einen Zeichen-, einen Bildhauer- und einen Fotoworkshop, Schiffstouren und eine Sonderausstellung. Das Sommerfest am 27. Juli steht unter dem Motto Weltnaturerbe und in Kooperation mit dem Kino Jever zeigt das Nordseehaus während der Zugvogeltage den Dokumentarfilm „Nomaden der Lüfte – Das Geheimnis der Zugvögel“.
Hatte Nina Bölling in ihrem Vortrag noch darauf hingewiesen, die Region brauche mehr Informations-, Erlebnis- und Bildungsangebote, konterte der ehemalige Biologielehrer, Buchautor und Nationalpark Wattführer Wolfgang Gedat: „Wir sind schon mittendrin. Die emotionale Seite nimmt immer mehr Gestalt an, die Musik im Watt. Wir buddeln nicht nur im Schlick und informieren die Gäste über das, was im Wattenmeer lebt. Wir unternehmen Nordic Walking Touren bis nach Minsener Oog. Dabei steht die sportliche Erfahrung in der gesunden, jodhaltigen Nordseeluft im Vordergrund und wir lesen Gedichte, oder zeigen den Gästen die Stille im Wattenmeer. Dabei stellt sich raus, dass es dort draußen gar nicht so still ist. Eine Salzwiesenführung gestalten wir märchenhaft, so dass sich auch die ganz kleinen Teilnehmer die Namen der Pflanzen merken können.“
Nach Informationen von Peter Südbeck wollen 81 Prozent der Touristen im Urlaub ein Naturerlebnis erfahren. Die Gäste, die bewusst im Nationalpark Urlaub machen, bescheren der Region 114 Millionen Euro Bruttoumsatz. Allerdings nutzen die Urlaubsorte an der niedersächsischen und schleswig-holsteinischen Küste, die zum Weltnaturerbe gehört, die Unesco-Auszeichnung offenbar noch nicht ausreichend. Denn von 1000 befragten Personen wissen nur 70 dass das Wattenmeer Weltnaturerbe ist, zitierte Nina Bölling aus einer Studie. Dabei ließen sich 19 Prozent durch den Titel positiv in ihrer Reiseentscheidung beeinflussen. Die Nordsee will deshalb „eine nachhaltige Tourismusstrategie für die gesamte Region entwickeln“. Aktuell arbeite man an einem Logo, dass für das ganze Weltnaturerbe von der niederländischen Küste über Niedersachsen bis Schleswig-Holstein gelten soll. Eine Imageanzeige und ein Werbebanner zum Thema gibt es bereits. Ziel ist es, so Nina Bölling, buchbare Angebote für Urlaub im Weltnaturerbe Wattenmeer zu entwickeln.
Peter Südbeck will die Attraktivität des Nationalparks durch eine gute Infrastruktur im Gelände steigern. Gemeint sind zum Beispiel Lehrpfade und Beobachtungshütten. „Das Weltnaturerbe-Gebiet ist nicht geschlossen.“ Vielmehr sollten zertifizierte Nationalpark- und Gästeführer das Wattenmeer in geschütztem Rahmen der Öffentlichkeit zeigen, meint Südbeck. Die 14 Nationalparkhäuser an der deutschen Küste verzeichnen jährlich 700.000 Besucher. Das Nordseehaus Wangerland hatte 2009 20.000 Besucher. Peter Südbeck will zwei bis drei Häuser zu Weltnaturerbe-Einrichtungen, speziell für den internationalen Tourismus, machen. Es gehe darum, einen nachhaltigen Qualitätstourismus aufzubauen. „Den gibt es im Wangerland schon seit 24 Jahren“, ist Ralf Sinning überzeugt. Solange gibt es nämlich das Nordseehaus Wangerland zunächst in Horumersiel und später in Minsen.
 
Zur Info:
Das Weltnaturerbe Wattenmeer erstreckt sich 400 Kilometer von der niederländischen Küste über Niedersachsen bis nach Schleswig-Holstein. Dänemark gehört nicht dazu, weil dort erst jetzt ein Nationalpark ausgewiesen wird. Hamburg hat sich aus politischen Gründen gegen einen Antrag bei der Unesco entschieden. Zum Wattenmeer zählen die Küste, das Watt und die der Küste vorgelagerten Inseln. Weltweit gibt es 890 Welterbestätten, die meisten davon sind Weltkulturerbe. Die Ernennung beinhaltet die Verpflichtung, das Wattenmeer für kommende Generationen zu erhalten. Neben dem Nationalparkgesetz gelten aber keine zusätzlichen Schutzbestimmungen. Das Welterbe-Komitee hat das Wattenmeer aus drei Gründen in die Welterbe-Liste aufgenommen: 1. Die Geologie erfindet sich jeden Tag neu. Dünen entstehen und vergehen, Priel-Systeme verändern sich. 2. Das Wattenmeer ist die Kinderstube der Nordsee. Kein anderer Lebensraum ist so reich an Nahrung. Auf einem Quadratmeter leben 100.000 Schlickkrebse, 100 Wattwürmer, 50.000 Wattschnecken und 12 Kilogramm Miesmuscheln. 3. Die biologische Vielfalt. 10 bis 12 Millionen Zugvögel machen auf ihrem Weg zwischen den arktischen Brutgebieten und ihrem Winterqurtier in Afrika Rast im Wattenmeer. Außerdem gibt es Arten, die nur hier vorkommen, wie die Sandkoralle vor Hooksiel, den Sandregenpfeifer, die westliche Dornschrecke oder der mittlere Perlmutterfalter. Von 50 Pärchen Kornweihen in ganz Deutschland leben 80 Prozent auf den Ostfriesischen Inseln. Auf den Platen und Inseln tummeln sich Kegelrobben und Seehunde und von Mitte März bis Ende Mai können Naturliebhaber vom Südstrand in Wilhelmshaven aus Schweinswale beobachten.