Das Ferienland Wangerland, mit dem Nordseeheilbad
Horumersiel-Schillig und den Küstenbadeorten
Hooksiel und Minsen-Förrien sowie dem Erholungsort
Hohenkirchen, gehört zu den führenden Urlaubs-
Regionen an der Nordsee

Studie belegt regionalökonomische Effekte des Tourismus in Schutzgebieten

Als vor 24 Jahren der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer eingerichtet wurde, fürchteten Einheimische, wegen der neuen Schutzbestimmungen könnten die Gäste wegbleiben. Dass diese Furcht unbegründet war, hat sich schon lange herumgesprochen: Seit den 1980er Jahren sind die Gästezahlen vor allem auf den Inseln deutlich gestiegen. Jetzt hat das Bundesamt für Naturschutz (BfN) eine Studie veröffentlicht, die zeigt, wie sich die wirtschaftlichen Effekte von Nationalparks berechnen lassen - und welchen beachtlichen Einkommensbeitrag sie für die Region leisten: Im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer bewirken die Nationalpark-Touristen einen Bruttoumsatz von mehr als 115 Millionen Euro jährlich und sichern damit mehr als 3.360 Arbeitsplätze.

Berechnet wurden hierbei nur die Ausgaben der „echten“ Nationalpark-Touristen. In Interviews wurde ermittelt, für wie viele Besucher der Nationalpark, also der Schutzstatus des Gebietes, tatsächlich der Hauptanziehungspunkt für den Urlaub an der niedersächsischen Küste ist: Das sind knapp elf Prozent der mehr als 20 Millionen Tages- und Übernachtungsgäste. Eine weitaus größere Zahl kommt wegen der intakten Natur, diese Urlauber sind in den genannten Werten gar nicht enthalten. „Die Studie bestätigt, dass der Schutz der wunderschönen Natur unseres Wattenmeeres nicht nur Pflanzen und Tieren, sondern auch Menschen zugute kommt, Einheimischen wie Gästen“, stellt Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander fest. „Hier gehen Ökologie und Ökonomie Hand in Hand.“

Durchgeführt wurde die Studie, die im Rahmen des Umweltforschungsplanes vom Bundesamt für Naturschutz gefördert wurde,  in Zusammenarbeit mit den Nationalparkverwaltungen  vom Institut für Geographie der Universität Würzburg unter Leitung von Prof. Dr. Hubert Job, dessen Mitarbeiter dafür allein im niedersächsischen Wattenmeer fast 25.000 Gäste befragten. Über ein Jahr verteilt wurden an zwölf Terminen (während und außerhalb der Ferien, wochentags wie am Wochenende) an insgesamt 20 Standorten im Nationalpark 23.026 Blitzinterviews und 2.830 Langinterviews mit Urlaubern geführt. Gefragt wurde unter anderem nach der Motivation für den Aufenthalt, Dauer des Aufenthaltes und Geldausgaben für Unterkunft, Veranstaltungen etc. Die „echten“ Nationalpark-Übernachtungsgäste geben übrigens pro Tag im Schnitt 1,60 Euro mehr aus als andere Gäste, tragen also überproportional zum touristischen Einkommen bei.

Insgesamt wurden bundesweit fünf Nationalparks untersucht und die Ergebnisse auf alle (14) deutschen Nationalparks hochgerechnet. Pro Jahr besuchen zirka 50,9 Millionen Menschen die deutschen Nationalparke und bewirken damit einen Bruttoumsatz von rund 2,1 Milliarden Euro. Dies entspricht etwas mehr als 69.000 Arbeitsplätzen, die vom Tourismus in Nationalparken abhängig sind. Die Ergebnisse der Studie belegen, dass der mit Nationalparken verbundene Tourismus einen beachtlichen wirtschaftlichen Beitrag für die Region leisten kann. Damit tragen Nationalparke auch zum Erhalt und zur Entwicklung langfristiger Arbeitsmarktpotenziale bei.

Die Studie gibt detaillierten Aufschluss über Besucherstrukturen und Motivation von Gästen in den Nationalparken Deutschlands. Die vorliegende Ist-Analyse enthält wertvolle Hinweise für eine nachhaltige Tourismusentwicklung im Umfeld der Nationalparke, die gleichermaßen den Schutzzielen, den Ansprüchen der Gäste und der Wettbewerbsfähigkeit der Schutzgebietsregion gerecht wird.

„Was wir schon immer vermutet haben, steht nun fest: Der Nationalpark hat nicht nur eine hohe Bedeutung für die Natur, sondern auch für die Menschen in der Region, die daraus Arbeit und Einkommen beziehen. Diese vom Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer ausgehenden positiven wirtschaftlichen Effekte durch den Tourismus sind sehr wichtig für die Akzeptanz des Schutzgebietes und somit des Wattenmeerschutzes insgesamt“, stellt Nationalpark-Leiter Peter Südbeck fest. Der Anteil der „echten“ Nationalpark-Touristen könnte allerdings noch steigen: Weniger als 50 Prozent der Befragten wussten, dass sie in einem Nationalpark sind - im ältesten deutschen Nationalpark Bayerischer Wald sind es mehr als 80 Prozent. Nach Ansicht von Prof. Job „ist aber für den Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer als tradierte Tourismusdestination zum jetzigen Zeitpunkt sicherlich kein höheres Ergebnis zu erwarten gewesen.“ Prof. Job erwartet aber, dass „gerade vor dem Hintergrund des stets zunehmenden Wettbewerbs der Destinationen und Urlaubsorte verstärkt die Wirkung eines Nationalparks als weitere Attraktion der Region erkannt und entsprechend in Wert gesetzt wird.“

Die im Juni erfolgte Anerkennung des Wattenmeeres als Weltnaturerbe wird ganz sicher dazu beitragen, die Kenntnis und das Bewusstsein für die ökologische Bedeutung und Schutzwürdigkeit bei den Gästen zu steigern.

Die Studie „Regionalökonomische Effekte des Tourismus in deutschen Nationalparken“ ist im Landwirtschaftsverlag in der Reihe Naturschutz und Biologische Vielfalt (Heft 76) erschienen und kostet 18 Euro (ISBN 978-3-7843-3976-4). Zu beziehen über den BfN-Schriftenvertrieb im Landwirtschaftsverlag (www.buchweltshop.de/bfn/)