Am Alten Hafen in Hooksiel steht das letzte noch erhaltene Mudderboot. Bis 1960 hat es die Fahrrinne von Hooksiel von Schlick befreit. 1981 wurde es mit einem Kran aus dem Schlamm geborgen und neben die Kaimauer an den Deich gestellt. Dort pflegen zwölf Rentner das Boot liebevoll. Jedes Jahr bekommen die alten Eichenplanken einen neuen Anstrich und dennoch ist der Boden mittlerweile durchgemodert. Seit 1992 steht das Mudderboot unter Denkmalschutz, aber wem es gehört weiß niemand im Ort so genau.
Engagierte Hooksieler um den Vorsitzenden des Seebadevereins, Erwin Abels, wollen das maritime Wahrzeichen jetzt vor dem Verfall bewahren. „Das Boot muss komplett entkernt werden“, weiß Bootsbauer Wolfram Heibeck. „Dabei wollen wir so viel wie möglich erhalten, Originalbauteile restaurieren und den Originalbau anhand von Zeichnungen und Fotos genau dokumentieren. Beschläge müssen ersetzt werden und die Ausstellungsfläche am Deich braucht dringend eine Drainage.“ 40.000 Euro sind nötig, um das Mudderboot zu restaurieren. Ziel ist es, dass Kinder und interessierte Bootsfreunde wieder an Deck kommen und jeden Winkel inspizieren können.
„Die Hooksieler haben mit dem Zwiebelturm schon einmal bewiesen, dass sie mit ihrem Engagement Großes leisten können“, betont Wangerlands Bürgermeister Harald Hinrichs. Für die 49.000 Euro teure Sanierung des Bauwerks hatte allein der Seebadeverein 2007 18.000 Euro zusammengebracht. Harald Hinrichs ist optimistisch, dass er für die Sanierung des Mudderbootes auch LeaderPlus-Mittel der Europäischen Union gewinnen kann. Den Rest wollen Gemeinde, Seebadeverein und Gewerbeverein „De Hooksieler“ in einer gemeinsamen Kraftanstrengung „zusammenkratzen“. Der Seebadeverein hat zu diesem Zweck eigens ein Spendenkonto eingerichtet.
Friesische Sielhäfen sind seit Jahrhunderten darauf angewiesen, dass die Fahrrinne ständig von Schlick freigebaggert wird. Vom Binnenland her werden Sedimente Richtung Nordsee gespült. Aus entgegengesetzter Richtung drücken winterliche Stürme Sand, Schlick und Muschelbänke ins Tief. Das blockiert den Binnenwasserabfluss und behindert die Zufahrt zum Hafen.
In Hooksiel hat man deshalb schon im 19. Jahrhundert ein Mudderboot eingesetzt. Bei Flut haben der Sielwärter und seine zwei Helfer die Sieltore geöffnet, damit Meerwasser in das Binnentief gelangte. Dann wurden die Tore geschlossen und das Wasser so aufgestaut. Etwa eine Stunde vor Niedrigwasser begann das Mudderboot seine Fahrt. Die Sieltore wurden langsam geöffnet und das Boot trieb mit ausgestellten Holzflügeln, angetrieben von einer etwa einen Meter hohen Stauwelle, den Schlick durch das Außentief bis in die Jade. Der Rückweg war beschwerlich. Mit Staken wurde das Boot von Menschenhand zurück in den Hafen befördert.
Das erste Mudderboot, das 1877 in Hooksiel erwähnt wird, hatte eine Länge von fünf Metern. 1925 wurde es durch seinen neun Meter langen Nachfolger ersetzt. Die Räumbreite betrug jetzt etwas zwölf Meter. 1948 entwickelte der Ingenieur Friedrich Köster im schleswig-holsteinischen Heide das erste Motor-Stromräumboot. Mithilfe zweier absenkbarer Schrauben konnte „Kösters Stromräumboot“ den Boden bis zu einer Wassertiefe von drei Metern auflockern und die abgelagerten Sedimente, wie das Mudderboot, mit dem Ebbstrom hinaus in die Jade befördern.
Das erste motorbetriebene Räumungsfahrzeug konnte in einer Minute 5 bis 15 Meter Fahrrinne auf 3,30 Meter Breite freibaggern und verdrängte in den 1950er Jahren das alte Mudderboot aus den Häfen der Wangerländischen Sielacht.
Anders als „Kösters Stromräumboot“ hatten die Mudderprähme ihre Schubkraft nicht aus Dieselmotoren gewonnen, sondern aus dem Ebbstrom, den sie durch Staudruck mit ihren Bretterflügeln noch verstärkten. Neben dem Hooksieler Mudderboot ist noch ein Pflugkahn erhalten, der nach dem gleichen technischen Prinzip verfährt. Das Gefährt aus St. Margarethen im schleswig-holsteinischen Dithmarschen gehört mittlerweile dem Deutschen Schifffahrtsmuseum.
Der Seebadeverein sammelt Spenden zum Erhalt des Mudderbootes unter dem Stichwort „Modderboot“, Kontonummer 415 764 000 4, BLZ: 282 622 54 bei der Volksbank Hooksiel.