Das Ferienland Wangerland, mit dem Nordseeheilbad
Horumersiel-Schillig und den Küstenbadeorten
Hooksiel und Minsen-Förrien sowie dem Erholungsort
Hohenkirchen, gehört zu den führenden Urlaubs-
Regionen an der Nordsee

 Expeditionen ins Reich der Muscheln, Priele und Pricken

                                                                                                                                                                            (Foto: spektrum Nord) 

 
Der Anblick des Wattführers löst Staunen in der Gruppe aus. „Das sieht ja aus wie eine Bergsteigerausrüstung“, platzt es einer Teilnehmerin heraus, als Wolfgang Gedat beladen mit mehreren Feldstechern, einem Kompass, Tupperpott, Sieb, Seil und allerlei weiterem Zubehör auf der Deichkrone ankommt. In Kürze beginnt eine der vielen Expeditionen, die von Schillig und Hooksiel aus starten. Gedat und die Teilnehmer zieht es jedoch nicht in die Höhe. Im Gegenteil, sie bleiben konstant auf und knapp unter Normalnull. Ziel der heutigen Wanderung ist das Weltnaturerbe Wattenmeer.
Spielt das Wetter mit, sind Gedat und seine Wattführerkollegen um diese Jahreszeit   täglich unterwegs. Ihre Gäste erfahren dabei Details zur Entstehungsgeschichte dieses einmaligen Lebensraumes vor der Küste, hören skurrile Geschichten zu seinen Bewohnern und spüren hautnah, was es bedeutet, sich im Rhythmus von Ebbe und Flut zu bewegen. Die Titel der Expeditionen sind so vielschichtig wie die Wanderungen selbst. Wer ein paar Stunden Zeit mitbringt, wandelt „Auf den Spuren der Vögel“. Kürzer, aber auch emotionaler sind die „Lyrische Abendwanderung in den Sonnenuntergang“ oder das Angebot „Stille im Watt“. Wer es lieber sportlich mag, wandert mit Nordic Walking-Stöcken bis zur Minsener Oog. Und selbst eine Gehbehinderung hält die Gäste im Wangerland nicht von einem Ausflug in den Nationalpark ab. Seit dieser Saison steht ein Wattmobil bereit. Große Reifen mit einer breiten Auflagefläche ermöglichen den Ausflug ins Reich der Muscheln, Priele und Pricken.
Bevor die Gruppe das Festland verlässt, versammelt sie sich noch einmal im Schutz der Dünen. Mit Blick auf den Schlick erklärt Gedat, welche Dynamik in dieser nur scheinbar so ruhigen Landschaft steckt. Wind und Wellen formen jederzeit an ihrer Gestalt. Die Ostsee dagegen, sei langweilig, sagt Gedat in einem Augenblick, da kein Gast mithören kann.
Spätestens beim ersten Zwischenstopp im Wattenmeer wird dann auch klar, warum die Wattführer bei ihren Ausflügen so schwer beladen sind. Nach und nach kommt fast jedes Utensil von Gedats Ausrüstung zur Anwendung. Da wird mit dem Sieb der Sand gefiltert, mit der Forke nach Würmern gegraben und unter der Lupe nach kleinsten Spuren gesucht. Immer wieder drängen sich die Hobbybiologen im Kreis um Gedat und stecken die Köpfe interessiert zusammen. Über ihnen kreischen die Möwen und Austernfischer.
Nach zwei Stunden ist Zeit für eine Pause. Die Minsener Oog ist erreicht und erschöpft lassen sich viele in den weichen Sand der Insel fallen. Ein Marsch von rund 6,5 Kilometern liegt hinter ihnen. Das Festland, das sich bei strahlendem Sonnenschein am Horizont abzeichnet, wirkt sehr weit weg in diesem Moment. Gedat zeigt auf eine Ansammlung zerschlagener Muscheln auf dem Boden. Es sind die Überreste einer Möwenmahlzeit. Was nicht verwertet werden kann, wird als sogenannter Speiballen wieder ausgeschieden, erläutert Gedat. „In Ornithologen-Kreisen wird das auch ‚Kotzbrocken’ genannt“, sagt er und löst damit Gelächter aus.
Nach einem Blick mit dem Feldstecher über die Wiese, auf der zahlreiche Vögel brüten, macht sich die Gruppe wieder auf den Weg zurück. Als Wegweiser dient die Wasserkante, die sich langsam weiter in Richtung Küste schiebt. Das nächste Hochwasser läuft auf. Lange bevor es den Strand von Schillig erreicht, ist die Gruppe am Ziel. Wolfgang Gedat spült den Sand von seinen Füßen und kontrolliert noch einmal seine Ausrüstung. Alles ist an seinem Platz. Auch das Seil, die Leuchtraketen und die Signalpfeife – die einzigen Dinge, die er bei seinen Expeditionen ins Wattenmeer noch nie gebraucht hat.