Das Ferienland Wangerland, mit dem Nordseeheilbad
Horumersiel-Schillig und den Küstenbadeorten
Hooksiel und Minsen-Förrien sowie dem Erholungsort
Hohenkirchen, gehört zu den führenden Urlaubs-
Regionen an der Nordsee

Seehasen tummeln sich im Nordseehaus

 

Der Seehase ist einem Fischer in der Nordsee ins Netz gegangen.

Nachdem Ralf Sinning ihn langsam an die etwas wärmeren Temperaturen

im Nordseehaus gewöhnt hat, setzt er ihn zu seinen Artgenossen ins Aquarium.



Ralf Sinning träumt von Multimediaraum mit digitalem Mikroskop

 
„Wir können nach der Ernennung zum Weltnaturerbe nicht weitermachen wie bisher.“

 
Minsen- Mit einer kleinen Sensation kann Ralf Sinning vom Nordseehaus Wangerland in Minsen aufwarten: In den Aquarien des Hauses tummeln sich seit ein paar Tagen drei Seehasen. Die kugelbäuchigen Meeresbewohner waren als Beifang im Netz eines Krabbenfischers gelandet. „Der erste kam am 1. April“, erzählt Ralf Sinning. Stolz fügt er hinzu: „Und er frisst schon kleine Stinte von der Pinzette.“ Das sei nicht selbstverständlich. Es brauche seine Zeit, bis die Tiere den Stress ihres Umzugs überwunden und sich an das Futter aus der Tiefkühltruhe gewöhnt haben. Grad für Grad erhöht Ralf Sinning die Wassertemperatur im Eimer, ehe er Stunden später, den Neuzugang zu seinen Artgenossen ins Aquarium setzt.

 
Längst nicht alle Tiere, die den Weg aus der Nordsee ins Aquarium finden, überleben. Ihre Verletzungen werden oft erst nach Tagen in Form geröteter Flossen sichtbar. „In der Nordsee würden sie nicht überleben. Hier haben sie eine Chance“, tröstet sich Ralf Sinning. Im Nordseehaus Wangerland zeigt er ausschließlich heimische Tierarten. Die meisten stammen aus dem Beifang der Fischer. Ein paar Haie hat er vom befreundeten Aquarium auf Helgoland gekauft.
 
Rund 20.000 Menschen kommen jedes Jahr nach Minsen, um sich über die hiesige Tier- und Pflanzenwelt zu informieren. Eintritt müssen sie nicht bezahlen. Die Wangerland Touristik GmbH betreibt das Nordseehaus seit dem Jahr 2000 in Eigenregie. „Im Wangerland haben wir die Verbindung zwischen Naturschutz und Tourismus schon früh erkannt“, erinnert sich Ralf Sinning. Das Nordseehaus gibt es seit 1986.

 
Ralf Sinning ist seit 1988 dabei. Seinerzeit wurde die Informations- und Bildungseinrichtung Nationalparkhaus und bekam damit finanzielle Zuschüsse von Seiten des Landes Niedersachsen. Voraussetzung war, dass neben der Heimleitung eine Zweitkraft beschäftigt wird. Nach Abschluss seines Zivildienstes blieb Ralf Sinning als solche im Haus und übernahm 1990 die Leitung. Die Partnerschaft zwischen Land und Kommune war wenig später beendet, als das Nordseehaus von Horumersiel nach Minsen umziehen musste. „In Horumersiel sind die Gäste bei schlechtem Wetter direkt vom Strand quasi bei mir ins Haus gepurzelt“, sagt Ralf Sinning. „Das ist in Minsen anders. Hier kommen gezielt die Menschen, die sich informieren möchten.“ Schade findet, der Hausleiter, denn er würde gerne auch diejenigen erreichen, die sich nicht mit dem Thema Wattenmeer auseinandersetzen. Es ist  Sinnings erklärtes Ziel, wieder Nationalparkhaus zu werden. Dann hätte er wieder eine Zweitkraft an seiner Seite und könnte das Veranstaltungsprogramm des Hauses deutlich erweitern. Aktuell sucht er noch Bewerber für das Freiwillige ökologische Jahr (FöJ). Interessenten können sich noch bis zum 24. April an das Nordseehaus Wangerland wenden.

 
„Nach der Ernennung des Wattenmeers zum Weltnaturerbe können wir nicht weitermachen wie bisher“, stellt Ralf Sinning fest. Die Auszeichnung bedeute eine Aufwertung der Nationalparkhäuser und ihrer Partner, zu denen das Nordseehaus Wangerland seit 2008 offiziell gehört. Die Bildungseinrichtungen stellen sich jetzt auf mehr internationale Gäste ein, die das Weltnaturerbe Wattenmeer kennenlernen möchten. Im Nordseehaus  werden deshalb die lateinischen Beschriftungen durch englische ersetzt. Außerdem ist das Veranstaltungsprogramm mehr auf Familien abgestimmt. „Früher haben wir überwiegend nachfrageorientiert gearbeitet“, sagt Sinning. Das heißt, Führungen wurden dann angeboten, wenn Gruppen sie gebucht haben. Jetzt gibt es ständige Angebote wie Vorträge gemeinsames Mikroskopieren und Entdeckertouren, die auch auf diejenigen Wattenmeerurlauber abgestimmt sind, die noch nicht so genau wissen, was den Lebensraum auszeichnet.

 
Ralf Sinning hat einen Traum: „Ich möchte einen Multimediaraum einrichten“, sagt er. Über ein digitales Mikroskop sollen Kinder und Erwachsene Gelegenheit bekommen, kleinste Organismen aus der Nordsee auf einem Großbildschirm zu erleben. Die Wangerländer Gastronomiekooperation „Die Seesterne“ hat für dieses Projekt bereits 500 Euro zweckgebunden gespendet. Mindestens 4000 Euro sind erforderlich, um das Angebot zu starten. Inklusive Mobiliar kostet das Vorhaben im Endausbau 10.000 Euro. „Da will ich dieses Jahr noch ran“, gibt sich Ralf Sinning kämpferisch.“