Laut hallt der Schrei der Lachmöwen durch die Luft. Nun ist es sicher: Das Frühjahr hat im Nationalpark mit den Brutvögeln Einzug gehalten, die Lachmöwen haben ihre Kolonie wieder in Beschlag genommen. Auf Baltrum waren es im vergangenen Jahr über 12.000 Brutpaare und damit hat Baltrum die größte Lachmöwenkolonie auf den Inseln (vermutlich sogar in Deutschland).
Auch Kiebitze balzen schon in den Salzwiesen und Binnenweiden. In der Frühlingssonne steigt die Feldlerche hoch in die Luft und erfreut uns mit ihrem charakteristischen Gesang.
Weithin leuchtet das Weiß der Löffler, die sich nach ihrem langen Flug aus den Überwinterungsgebieten in Westafrika nun erst einmal für das Brutgeschäft stärken müssen. Anfang März wurden die ersten Vögel auf Langeoog gesichtet.
Seit einigen Jahren gehören auch Graugänse im Nationalpark immer häufiger zu den Brutvögeln. 2008 waren es bereits über 300 Paare auf den Ostfriesischen Inseln. Für dieses Jahr erwarten Vogelschützer noch mehr. Sie gehören zu den Vogelarten, die am frühesten mit der Eiablage beginnen.
Mitte April gesellen sich auf Baltrum die Brandseeschwalben zu den Lachmöwen. Mehr als 4.000 Brutpaare haben hier im vergangenen Jahr am Rande der Lachmöwenkolonie gebrütet.
Viele der Vögel, die wir um diese Zeit bei uns im Nationalpark beobachten, machen jedoch nur Zwischenstation, um sich hier zu stärken und dann weiter in ihre nördlichen Brutgebiete zu ziehen.
Ab Anfang April beginnt im Nationalpark die Erfassung der Brutvögel durch die Nationalparkwacht. „Die Mitarbeiter der Nationalpark-Wacht, die Nationalparkwarte und Zivildienstleistenden, sind nach dem langen Winter bereits seit Tagen damit beschäftigt, zum Schutz der sensiblen Bereiche im Nationalpark Schilder, Zäune und Wegemarkierungen aufzustellen“, so Martin Schulze Dieckhoff vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN).
„Dies wird auch höchste Zeit, denn gleichzeitig mit den ersten Brutvögeln haben sich auch die ersten Urlauber auf den Inseln und an der Küste eingefunden.“ Da es für das Sonnenbaden noch zu kalt ist, nutzen viele die Zeit für ausgedehnte Wanderungen in der Natur.
In der Ansiedlungsphase der Brutvögel kann jede Störung zur Aufgabe des Brutplatzes führen. Später ist es wichtig, besondere Rücksicht auf die Kinderstube der Vögel zu nehmen. Querfeldein wandernde Menschen, freilaufende und wildernde Hunde oder Drachen am Himmel können den Brut-erfolg gefährden. Im Nationalpark ist aus diesem Grunde ab Anfang April (bis Ende Juli) das Betreten aller Salzwiesen streng untersagt.
„Behutsames Verhalten, die Einhaltung des Wegegebotes und das Anleinen von Hunden sind die Voraussetzungen, damit auch in den kommenden Jahren Vogel-Frühlingsbilder den Nationalpark kennzeichnen und die Menschen erfreuen können“ erklärt Nationalpark-Leiter Peter Südbeck.