Überall auf den Deichen und Wiesen im Wangerland sind jetzt wieder Schafe zu sehen. Die beliebten Küstenbewohner wurden pünktlich zum Frühjahr geschoren und genießen jetzt die warme Frühlingssonne. Seit Februar waren die meisten von ihnen im Stall, um dort, geschützt vor Wind und Wetter, ihre Lämmer zur Welt zu bringen.
Schafe und Ziegen gehören zu den ältesten Haustierrassen. In Friesland sind sie besonders wegen ihres Schaftritts, der die Deiche festklopft und so die Menschen vor Sturmfluten schützt, beliebt. In unwirtlichen Gegenden wie Moorlandschaften sind die robusten kleinen Rasenmäher oft die einzigen Tiere, die zur Beweidung der Flächen in Frage kommen. Schafe sind genügsam. Das macht sie anpassungsfähig in Bezug auf klimatische Bedingungen und Nahrungsangebot.
Während extensive Schafrassen in Deutschland heute in der Landschaftspflege als Rasenmäher und Düngerstreuer eingesetzt werden, dienten die Tiere früher als der Rohstofflieferant schlechthin. Neben Milch, Fleisch und Wolle lieferten sie das Rohmaterial für Leim, Kerzen, Seife und andere kosmetische Produkte. Der Darm von Schafen wird unter der irreführenden Bezeichnung Katzendarm für Saiten von Musikins-trumenten und Tennisschlägern verwendet. In der Medizin wurde er als Garn zum Vernähen von Wunden benutzt.
Ohne Schafe würden Landschaftsformen wie Heide und Moor versteppen, verwalden und verbinsen.
Weltweit gibt es etwa eine Milliarde Schafe. Die meisten leben in Asien gefolgt von Afrika, Aus-tralien und Neuseeland. In Europa hat Großbritannien mit zirka 36 Millionen Tieren die größte Population. In Deutschland leben nur rund 2 Millionen Schafe. Während in Asien vor allem Wolle erzeugt wird, produziert Europa in erster Linie Fleisch und in Neuseeland nutzt man beides.
In Europa hat sich die Lämmermast damit in den vergangenen 50 Jahren zum wichtigsten Zweig der Schafhaltung entwickelt. Anfang der 1950er Jahre hat man in Deutschland noch vor allem auf den Wollertrag gezüchtet. Der hat einst 90 Prozent des wirtschaftlichen Ertrags ausgemacht, Lammfleisch 10 Prozent. Doch Baumwolle und chemische Fasern haben die Schafwolle verdrängt. Das Verhältnis der Wirtschaftlichkeit hat sich umgekehrt. Kostete 1950 ein Kilogramm Wolle noch 4,50 Deutsche Mark, so zahlt man heute etwa 50 bis 75 Cent pro Kilogramm.
Entsprechend haben Schäfer auch die Zucht zunehmend auf Fleischrassen umgestellt. Auf hofnahen Weiden kann man an der Küste allerdings auch noch die großen Ostfriesischen Milchschafe beobachten, die besonders auf eine hohe Milchleistung gezüchtet wurden.